Die Arbeit die III.

Hallo Freunde und (Un)Bekannte,

Vom Schueler zum Lehrer? Manche muessen jahrelang studieren, um unterrichten zu duerfen. Manche muessen einfach nur nach Finnland…

Vor kurzem hat eine Lehrerin an meiner Schule angefangen hier Deutsch zu unterrichten. Sie hat mich gleich in ihren Unterricht eingeladen. Sisko ist eine Finnin, die unsere Sprache sehr gut beherrscht und auch einige Zeit in Deutschland verbracht hat.

Zu hören wie die finnischen Schueler sich mit einfachen Begruessungsdialogen abmuehen war amuesant und faszinierend zugleich. Bei einigen Wortkreationen musste ich mich anstrengen, mir das Schmunzeln zu verkneifen. (gleichfalls=sweitsfalls???) Gleichzeitig war es interessant volljährige Menschen zu sehen, die versuchen die Sprache zu lernen, die du seit dem Tag deiner Geburt hörst und praktisch automatisch gelernt hast. Mal sehen wie ihnen meine Präsentation ueber Ostern in D gefallen wird.

Mein Lehrteil hielt sich allerdings in Grenzen:

„Heisst es etwas auf die Tafel oder an die Tafel schreiben“?

„Wie spricht man <Bis später> aus“?

„Könntest du das Wort <Geschicklichkeitsfahren> an die Tafel schreiben“? etc.

Zum Glueck hat mich niemand auf Tokiohotel angesprochen.

Die meiste Zeit verbringe ich damit eine Präsentation ueber Makroökonomie in Zusammenhang mit der deutschen Wirtschaft zu erstellen. Diese soll ich dann in den Klassen meines „Bosses“ vorstellen. Wie ihr euch denken könnt ist die Herausforderung hier um einiges grösser.

So jongliere ich mit Begriffen wie „gross domestic product“ (Bruttoinlandsprodukt) oder denke darueber nach wie ich den Finnen klarmachen kann, dass das englische „trillion“ im deutschen und im finnischen „Billion“ bedeutet. Ich weiss nicht wieviele Studenten etwas verstehen werden, aber meinem Englisch hilft es zumindest.

Das Beste an der Arbeit sind die menschlichen Beziehungen. Wenn Markus, der Sportlehrer, weiterhin versucht mein Leben hier so angenehm wie möglich zu gestalten, muss ich bald einen extra Raum anmieten, um all die Dinge unterzustellen, die er mir schon geliehen hat.

Er nimmt uns immernoch jeden Mittwoch mit zum Fussball. Als er in einer Woche nicht konnte, hat er seinen Freund dazu bewegt uns abzuholen.

Letztens hat er beim Essen einen Lehrerkollegen angesprochen, ob dieser mich nicht zum Skilanglauf mitnehmen könnte. Bevor ich anmerken konnte, dass ich das noch nie gemacht habe und wahrscheinlich vor Anstrengung zusammenbrechen wuerde, hiess es schon: „OK, alles was du selbst besorgen muesstest wären die Schuhe“.

Jetzt habe ich auch noch Pia kennengelernt. Wir haben den gestrigen Tag zusammenverbracht und arbeiten fuer die gleiche Schule. Sie hat unserer Gruppe angeboten uns mit dem Schul-Van in den Ranua Nationalpark zu fahren.

Ausserdem besitzt unsere Schule 12 Schneemobile. Diese sind ein Teil der Ausbildung der Wild Life Guides, die auch an unserer Schule ausgebildet werden. In naher Zukunft werden diese Studenten einen sogenannten Kompetenztest absolvieren, bei dem sie beweisen muessen, dass sie in der Lage sind, Touristen durch die engen Waldwege zu fuehren. Während oder nach diesen Tests haben wir dann selbst die Cance Gas und Bremse (aber vor allem Gas) zu benutzen. Eine einmalige Möglichkeit, die sich uns bei Preisen von 105 € fuer ein paar Stunden sonst nicht bieten wuerde.

Die Freundlichkeit der Kolleginnen und Kollegen haut mich also wirklich um. Die Finnen stehen den Suedeuropäern in Sachen Gastfreundlichkeit in Nichts nach. Dementsprechend fuehle ich mich immernoch gut aufgehoben.

Bis zum nächsten Beitrag, Bilder des Februars, der in Kuerze folgen wird und ein echtes Highlight werden duerfte.

Heiko

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